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Interview Prodatron

Jörn, in der Demoscene auch bekannt unter dem Namen Prodatron / SymbiosiS, ist berühmt für seine beeindruckenden Amstrad CPC-Produktionen. In den Jahren 1993–94, als sich in Demos alles um große Scroller und trickreiche Hardware-Effekte drehte, hat er der Sache endgültig frischen kreativen Wind verliehen, indem er die Grenzen des Amstrad CPC mit Echtzeit-3D und einem MOD-Player/-Editor für Soundtracks verschoben hat. Ich war neugierig, mehr über ihn zu erfahren, über sein damaliges Werk, aber auch über sein neueres, und darum freue ich mich wirklich, dass er sich bereit erklärt hat, meine Fragen zu beantworten!

Wenn diese Kiste 88 Meilen pro Stunde erreicht, wirst du was erleben!

1. Hallo Jörn. Kannst du dich kurz vorstellen? (Alter, Land, Beruf …)

Hallo Arnaud, vielen Dank, dass du bei diesem Interview so geduldig warst! Ich bin 37 Jahre alt und lebe in Moers, Deutschland, einer Stadt nahe der niederländischen Grenze. Seit 1999 bin ich selbstständig und arbeite im Internetgeschäft. Derzeit bin ich technischer Projektleiter in einer unserer Firmen, die Webanwendungen für mehrere Kunden entwickelt.

2. Wie hast du das Programmieren auf dem Amstrad CPC gelernt? Wie alt warst du damals?

Texas Instruments TI99/4A, der erste 16-Bit-Personalcomputer

Richtig angefangen zu programmieren habe ich auf dem Amstrad CPC Ende 1987. Anfang 1983, als ich 8 Jahre alt war, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Heimcomputer: Es war ein Sinclair ZX-81, und ich war von seinem zeichenplottenden Cursor so fasziniert! Mein Vater war Mathematiklehrer. Damals wurde Informatik hier zum ersten Mal als neues Fach in den Schulen eingeführt. Es gab keine Informatiklehrer, also musste mein Vater diese Aufgabe übernehmen.

Um Erfahrungen zu sammeln, brachte er einen ZX-81 und später einen TI99/4A aus der Schule zu uns nach Hause. Auf dem TI99/4A habe ich also 1983/1984 meine ersten BASIC-Erfahrungen gemacht. Später wechselte mein Vater an eine andere Schule und konnte leider keine Computer mehr mit nach Hause bringen. Ich musste BASIC-Programme auf Papier schreiben, in der Hoffnung, dass sie irgendwann in der Zukunft auf einem echten Computer Wirklichkeit werden könnten. 1985 habe ich mich kurz für einen C64 interessiert. Aber mein Vater hat die Daten sowohl des C64 als auch des CPC studiert und mich überzeugt, mir den Schneider (den deutschen Vertrieb des Amstrad) genauer anzusehen.

Das habe ich getan und diese Maschine sofort zu lieben begonnen! Damals hatten wir ein Geschäft, in dem immer laufende Computer standen, an denen man sogar eigene Programme schreiben und ausprobieren konnte. Zwischen 1985 und 1987 habe ich also viel Zeit in diesem Laden verbracht und einfache BASIC-Spiele und -Werkzeuge auf dem Amstrad CPC programmiert — ohne die Möglichkeit, sie auf Diskette zu speichern. Es hat etwa 3 Jahre gedauert, bis ich genug Taschengeld gesammelt hatte, um mir Ende 1987 meinen eigenen CPC-6128 kaufen zu können. Diese Maschine ist bis heute mein Haupt-CPC.

Der Third-Axis-Teil von Voyage 93 von Prodatron. Ebenfalls mit der Space-Debris-Adaption von BSC, einem der besten Musikstücke, die je für den Amstrad CPC entstanden sind

3. Welche deiner Demos ist deine liebste, und warum?

Digital Orgasm von Prodatron

Meine liebste ist die Demo Digital Orgasm. Als ich diese Demo Ende 1993 programmiert habe, war ich ein wenig traurig, weil ich das Gefühl hatte, der CPC sei mehr oder weniger tot. Die französische Szene, die für mich immer der Maßstab war, war zu dieser Zeit nicht sehr aktiv, und in Deutschland hatten wir „nur“ noch Face Hugger und Odiesoft als letzte aktive und sehr talentierte Coder überhaupt.

Die Megademo Voyage 1993 unserer Gruppe BENG! war technisch damals auf dem Stand der Technik, aber die Gestaltung war nicht perfekt. Am Ende mochte ich sie nicht besonders. Wir waren sehr stolz auf die 3D-Teile, aber das war’s dann auch. Die Prodatron Megademo, die ich davor programmiert hatte, war überhaupt nicht auf dem Stand der Technik, aber ehrlich gesagt hatte ich viel mehr Spaß daran, sie zu programmieren und anzusehen. Nach der Veröffentlichung von CPC-DigiTracker im Sommer/Herbst 1993 wollte ich also meine zweite Megademo programmieren.

Wir hatten BSC (Musik) und Made (einen der besten Grafiker, die ich damals getroffen habe) in unserer neuen Gruppe SymbiosiS. Mit diesen Leuten konnte ich ein paar schöne Demo-Teile schaffen, eine gute Voraussetzung für eine neue Megademo. Aber da ich Anfang 1994 auf die 80x86-Plattform gewechselt bin, konnte ich die ganze Arbeit nicht abschließen, und so habe ich sie unter dem Namen Digital Orgasm fertiggestellt. 1994 hatte ich keine Ahnung, dass wir dank der Retro-Bewegung je diese großartige Wiedergeburt des CPC-Geistes erleben würden!

Prodatrons Digitracker, ein Modul-Player/-Komponist für den Amstrad CPC

4. Findest du, dass es zwischen 1988 und 1993 einen „virtuellen Krieg“ zwischen der französischen und der deutschen Amstrad-CPC-Demoscene gab? War verallgemeinertes Echtzeit-3D die endgültige Antwort aus Deutschland?

Terrific Demo von Cadjo Clan

Vielleicht ging damals so etwas vor sich. Es gab immer einen Wettbewerb zwischen allen Demogruppen, und in den meisten Fällen waren die Franzosen die Besten. Französische Gruppen setzten viel bessere Techniken und Gestaltungen ein (z. B. Logon System, The Demo) als deutsche Gruppen (z. B. Cadjo Clan, Terrific Demo). Mit seiner Demo S&KOH hat Overflow meiner Meinung nach die fortschrittlichste Hardware-Demo geschaffen, die je auf dem alten CPC entstanden ist — sie war damals irgendwie unschlagbar. Nur Elmsoft aus Österreich war annähernd auf demselben Niveau wie die Franzosen.

Dann tauchte Face Hugger auf und veröffentlichte seine Ultimate Megademo. Sie hatte keine großartige Gestaltung, aber ihre 3D- und Software-Teile waren für die CPC-Demoscene revolutionär. Das war für uns ziemlich motivierend, und so haben auch wir mit Vektorgrafik angefangen, um unseren Rückstand auf die französische Szene aufzuholen.

5. Warum steht auf deiner Website http://www.prodatron.netProdatron Rejects Beng!“ (Bad European News Gang)? War die Mitgliedschaft in diesem Team eine schlechte Erfahrung für dich?

Hoppla, dieses Missverständnis tut mir sehr leid!! :-)) The Rejects ist der Name meiner ersten Szenegruppe, die ich 1991/1992 zusammen mit Leather Rebel gegründet habe. Später sind wir zu BENG! gewechselt, und ich hatte dort wirklich eine großartige Zeit, bevor wir 1993 SymbiosiS gegründet haben. Ich wollte auf der Website einfach alle meine Gruppen nennen; es ist also komisch, dass das zu diesem Missverständnis geführt hat :-)

6. Du hast den Amstrad CPC 1994–95 zugunsten der PC-Programmierung verlassen. Auf dem PC hast du dann das Diskmag Autark gemacht sowie eine neue Fassung des Digitrakker … und wenig später hast du deine Aktivitäten eingestellt. Warum? War die PC-Demoscene eine schlechte Erfahrung für dich?

„1st Infection“, PC-Demo von Prodatron (1994)

Ehrlich gesagt war meine Zeit in der MS-DOS-/80x86-Demoscene zwischen 1994 und 1996 genauso großartig wie in der CPC-Szene. Dafür gab es viele Gründe …

  • In gewisser Weise war die PC-Umgebung der frühen 90er dem CPC sehr ähnlich: ein primitives Betriebssystem, das man überhaupt nicht braucht, wenn man sein eigenes Ding machen will; man hatte unmittelbare und reine Kontrolle über die Hardware; mit Ausnahme des Zugriffs auf Massenspeicher konnte man alles hardwarenah selbst programmieren, einschließlich der gesamten Hardware, besonders der Grafik

  • VGA war der Standard und auf allen Maschinen vollständig kompatibel; es hatte fast denselben CRTC wie der CPC, mit ein paar zusätzlichen Registern

  • Auch bei den damaligen PCs kannte man fast alle Bits, Bytes und Ports der ganzen Maschine; alles lag also in der eigenen Hand, wenn man weiterhin in Assembler programmierte
  • Man programmierte auf dieselbe Weise und im selben Geist wie auf dem CPC, hatte aber viel mehr Möglichkeiten: mehr CPU-Register und Bits je Register, eine viel schnellere CPU und mächtigere Befehle; bei der Grafik hatte man das Gefühl, nun alles verwirklichen zu können, wovon man je geträumt hatte, einschließlich komplexer 3D-Vektorwelten
  • Die Szene war sehr groß und aktiv; ich habe viel mehr Demopartys besucht als in den Jahren zuvor in der CPC-Szene

Digitracker (PC-Fassung)

Dann änderte sich 1996 alles. Die Nutzung von Super-VGA-Bildschirmmodi wurde immer wichtiger. Anders als im Standard-VGA-Modus hatte man keine Kompatibilität mehr, wenn man weiterhin besondere Hardware-(CRTC-)Kniffe und hardwarenahes Programmieren machen wollte. Ebenfalls 1996 hat Microsoft Windows 95 MS-DOS endgültig vollständig abgelöst. Damit verschwand die gute alte CPC-artige hardwarenahe Umgebung auf der 80x86-Plattform endgültig für immer!

Schon 1995 hatte ich das World Wide Web entdeckt, und so habe ich 1996 aufgehört, 80x86-Assembler zu programmieren, und im Web-Entwicklungsgeschäft angefangen. Das war interessant, und in diesen frühen Internetzeiten ließ sich viel Geld verdienen, aber es war bei Weitem nicht so cool wie das Programmieren auf dem Z80 und dem 80x86 in den frühen 90ern.

Diskmag Autark (PC)

7. Anfang der 2000er hast du beschlossen, wieder beim Amstrad CPC einzusteigen (und später bei allen Z80-basierten 8-Bit-Maschinen), indem du ein neues Betriebssystem geschaffen hast: SymbOS. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

SymbOS (CPC-Fassung)

Schon Ende der 80er habe ich von einer grafischen Bedienoberfläche für den CPC geträumt, die es mit der Amiga Workbench aufnehmen könnte. Einige meiner Freunde besaßen diese fantastische Maschine, und ich war von ihrem Desktop-System sehr begeistert. Ich hatte außerdem ein paar GEOS-Bildschirmfotos gesehen und war auf die C64-Leute richtig neidisch.

Anfang der 90er habe ich ein paar Anläufe unternommen, eine solche Oberfläche für den CPC zu bauen. Ich hatte damals nicht so viel Erfahrung, und CEUS Desktop 2.0 war das einzige fertige Ergebnis. Für ernsthafte Anwendungen war es wohl unbrauchbar, und so konnte ich mir meinen Traum nicht erfüllen.

10 Jahre später hatte ich von der Web-Programmierung (meinem Broterwerb) ein wenig genug und beschloss, wieder einen Blick in die 8-Bit-Welt zu werfen. Ich hatte immer noch den alten Traum von einer mächtigen CPC-Oberfläche, also habe ich ein paar C64-GEOS-Websites angesehen und außerdem das sehr interessante, aber unfertige Projekt C64 CLiPS entdeckt. Inzwischen war ich ein wenig klüger, mit Dingen wie objektorientierter Programmierung und Multitasking vertraut, und so begann die Geschichte von SymbOS.

SymbOS (PCW-Fassung)

Ich habe zuerst mit den GUI-Routinen angefangen. SymbOS sollte in allen drei CPC-Bildschirmauflösungen laufen. Ich musste die hardwarenahen und die höheren Bildschirmroutinen also sehr sauber trennen, denn jede Auflösung braucht ihre eigene hardwarenahe Bibliothek. Im Sommer 2001 habe ich den Mikrokernel mit seinem Multitasking-Prozess-Scheduler programmiert. Die Multitasking-Umgebung erfordert, dass alle Bankswitching-Routinen im Mikrokernel gekapselt sind (Zugriff auf bis zu 1 MB RAM, um parallele Prozesse auf einem 8-Bit-System laufen zu lassen).

2001 war das keine Absicht, aber allein wegen dieser beiden Umstände war es später möglich, SymbOS auf andere Z80-Plattformen zu portieren. Ende 2004 war ich sicher, dass SymbOS genau so Wirklichkeit werden könnte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Meine Arbeit zusammen mit Dr.Zed und Trebmint hat mich sehr motiviert, und im Frühjahr 2006 konnte ich mir mit der ersten offiziellen Veröffentlichung von SymbOS endlich meinen 20 Jahre alten Traum erfüllen.

8. Noch einmal zu SymbOS: Nach vielen soliden Veröffentlichungen habe ich das Gefühl, dass du für das Projekt nicht mehr motiviert bist. Demotiviert dich die Tatsache, dass nur wenige Leute tatsächlich Programme für dein Betriebssystem geschrieben haben?

SymbOS (MSX-Fassung)

Nein, überhaupt nicht. Damit hatte ich nie ein Problem, ich habe mich einfach über das große Interesse und die großartigen Rückmeldungen gefreut und darüber, dass man SymbOS auf allen Retro-Partys laufen sehen konnte. Sogar Leute von anderen Computersystemen haben darüber gesprochen. Es klingt komisch, aber in gewisser Weise war das Gegenteil einer der Gründe. Besonders in der MSX-Szene habe ich Woche für Woche massenhaft Rückmeldungen bekommen und musste immer mehr Leuten bei Dingen rund um SymbOS helfen. Am Ende habe ich also viel mehr Zeit mit der Kommunikation mit Leuten verbracht als mit der Entwicklung von SymbOS selbst.

2007 lief SymbOS auf drei verschiedenen Plattformen, und besonders die MSX-Plattform umfasste Dutzende verschiedener Maschinen unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Disketten- und Festplattencontrollern. Ich habe für SymbOS MSX austauschbare Massenspeicher-Treiber umgesetzt und versucht, die wichtigsten zu unterstützen, aber es war bedrückend, dass es immer noch viele nicht unterstützte Systeme gab und deren Anwender immer wieder um Unterstützung baten.

Prodatron ist ein großer Fan von K.I.T.T. (dem sprechenden Auto)

Aber der eigentliche Grund, warum ich meine Aktivitäten eingestellt habe, war ein anderer. Ende 2007 habe ich mit einem neuen Hobby angefangen. Irgendwie war es auch ein Computer aus den 80ern, aber mit vier Rädern. Es ist K.I.T.T., das sprechende Auto aus der Fernsehserie Knight Rider der 80er mit David Hasselhoff, ein umgebauter Pontiac Trans Am.

Diese Serie war in Deutschland sehr beliebt, und als kleiner Junge hat man dieses Auto sehr bewundert. Aus Versehen habe ich Ende 2007 ein solches Auto gekauft, aber dann fing ich an, dieses Hobby zu mögen. Ich wollte es vollständig restaurieren und ein echtes KITT bauen, mit allen Einzelheiten einschließlich des cockpitartigen Armaturenbretts. Ich habe außerdem einen Computer eingebaut, der Sprachbefehle erkennt und viele Komponenten des Wagens steuern kann. Er ist inzwischen fertig, und ein paar weitere Filmautos, etwa ein DeLorean aus Zurück in die Zukunft, sind zu meiner Sammlung gestoßen; das ist es, was ich in den letzten vier Jahren gemacht habe.

9. Ich erinnere mich, dass Longshot von Logon System gesagt hat, SymbOS + Symbiface 2 (eine eigens gebaute Hardware, die erweiterten Speicher, IDE-Festplatte und vieles mehr handhaben kann) sei eine neue Plattform und kein Amstrad CPC mehr. Wie siehst du das?

SymbOS + Symbiface 2

Ich weiß nicht, ob ich das als Kompliment verstehen soll oder nicht. Vielleicht ist unser Zeug so revolutionär, dass die Leute das Gefühl haben, es sei eine andere Plattform und nicht der CPC von Mitte der 80er. Das ist schön zu hören! :)

Aber vielleicht spricht Longshot nicht über die philosophischen, sondern über die technischen Aspekte von SymbOS und dem SYMBiFACE II — dass es den Kern des CPC völlig verändern würde? In diesem Fall widerspreche ich entschieden. Abgesehen von der Echtzeituhr und den RAM- und ROM-Erweiterungen, die es in genau derselben verträglichen Form schon in den 80ern gab, ist das SYMBiFACE II nichts weiter als eine reine Schnittstelle ohne eigene Intelligenz. Es ersetzt keinen Kernbestandteil des CPC, der CPC selbst bleibt also dieselbe Maschine. Alle Arbeit muss weiterhin seine kleine Z80-CPU erledigen — etwa jedes einzelne Byte von der IDE-Festplatte zu holen. Wir hatten schon in den 80ern Schnittstellen wie RS232 oder sogar MFM-Festplattencontroller usw. Der Kern des CPC bleibt natürlich derselbe.

Ich erinnere mich aber an einige Messen, auf denen Leute zusahen, wie SymbOS auf einem CPC mit einem SYMBiFACE II Filme abspielte, und diese Leute dachten wirklich, das ganze Video würde vom SYMBiFACE II gerendert und angezeigt. Das ist natürlich völlig falsch, alles wird nach wie vor vom CPC und seinem Z80 erledigt.

Eine Beschreibung der wichtigsten Bestandteile des SYMBiFACE II

Das SYMBiFACE II ist wohl die vielseitigste Hardware, die je für den CPC veröffentlicht wurde, und es war die erste offizielle mit einer IDE-Schnittstelle. Aber man sollte es nicht mit solchen Ungetümen wie der CMD SuperCPU für den C64 verwechseln, die die C64-Maschine in ein dummes Zombie-Grafik-/Tastaturterminal verwandelt, während die gesamte Arbeit und Intelligenz nun von der Erweiterungskarte erledigt wird.

Zu SymbOS: Dieses Betriebssystem ist dafür ausgelegt, auf einem nackten CPC-6128 ohne jede Erweiterung zu laufen — nicht einmal ROMs sind nötig. Ohne zusätzlichen Speicher lässt sich vielleicht nur eine größere Anwendung oder mehrere kleinere gleichzeitig starten. Jedes andere Betriebssystem für den CPC kann nicht mehr als ein Programm gleichzeitig starten, also was soll’s? Das SYMBiFACE II und SymbOS sind eine schöne Kombination, aber SymbOS lässt sich auch mit Hardware-Erweiterungen aus den 80ern gut betreiben. Man braucht nur etwas mehr RAM (zusätzliche 256 KB dk’tronics/Dobbertin sind schon mehr als genug), und das war’s. Eine IDE-Festplatte wird nur zum Abspielen von Videos gebraucht, alles andere ist mit der originalen CPC-Hardware möglich. Es gibt also keinen Grund zu denken, SymbOS setze eine andere Plattform voraus.

SymbOS zusammen mit dem SYMBiFACE II könnte man ein Traumpaar nennen, aber beide lassen sich auch für sich allein benutzen, sie hängen nicht voneinander ab. Von der technischen Seite verwandeln sie den CPC überhaupt nicht in eine andere Plattform. Von der philosophischen Seite: Ja, klar! :D

Mit dem SymCommander unter SymbOS lässt sich der Inhalt der Festplatte durchsehen!

10. Verfolgst du die Amstrad-CPC-Demoscene noch? Was hältst du von den Demos der letzten 3 Jahre, einschließlich der frisch erschienenen Demo „Batman Forever“ von Rhino?

Natürlich schaue ich mir manchmal neue Produktionen für den Amstrad an, und ich bin beim Anschauen neuer CPC-Demos immer noch so beeindruckt wie früher. Es ist wirklich cool, dass sich immer noch Demos machen lassen, die ältere übertreffen — das ist irgendwie verrückt!

Ich mag auch die neueren CPC+-Demos sehr, denn technisch sind sie im Vergleich zu den klassischen CPC-Demos ziemlich anders und frisch. Als ich mit dem MSX-System in Berührung kam, ist mir aufgefallen, dass ein großer Teil der Demo-Effekte auf der Line-Splitting-Technik beruht, und ich habe mich gewundert, warum wir diese Technik auf dem CPC nicht so extrem eingesetzt haben. Nun habe ich gesehen, dass Batman Forever hier endlich großartige Arbeit geleistet hat! Und ja, die exzessive Mischung ihrer fantastischen Software- und Hardware-Techniken ist absolut beeindruckend.

11. Wie sieht deine Zukunft mit dem Amstrad CPC aus und, allgemeiner betrachtet, mit den Z80-8-Bit-Maschinen? Hast du vor, etwas Neues zu schaffen? Besteht die Chance, früher oder später eine neue Symbiosis-Produktion für den Amstrad CPC zu sehen?

In den letzten vier Jahren habe ich immer gehofft, dass ich eines Tages zum Z80 und zur SymbOS-Plattform zurückkehren würde. Ich besuche weiterhin regelmäßig Retro-Treffen und habe manchmal für kurze Zeit wieder programmiert. Aber jetzt, seit Mai 2012, sieht es so aus, als sei ich wirklich zurück auf dem CPC. Kangaroo Musique hat es endlich geschafft, mich davon zu überzeugen. Ich arbeite nun an einem kleinen CPC-Projekt, das in den nächsten Monaten geheim bleiben soll (NoRecess: wirklich?? :)). Wenn es fertig ist und hoffentlich noch dieses Jahr erscheint, möchte ich wirklich mit SymbOS weitermachen. Es gibt noch viel zu tun, also mal sehen …

12. Hast du vor, deine Website bald zu aktualisieren?

Ich glaube, ich muss die Website Prodatron.net ein wenig aktualisieren. Sobald ich wieder bei SymbOS bin, werde ich natürlich auch deren eigene Website Symbos.de aktualisieren.

Video zum Prodatron-Interview auf YouTube

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13. Zum Schluss das freie Wort. Etwas, das du uns mitteilen möchtest?

Ich möchte allen Mitgliedern der Retro-Computing-Szene für ihre Aktivitäten, ihre Beiträge und die netten Gespräche danken und dafür, dass sie dieses großartige Hobby so interessant halten. Es ist komisch, dass gerade diese sehr merkwürdigen Hobbys, bei denen normale Menschen die Augen verdrehen, das meiste Vergnügen bereiten. Bleiben wir also Freaks, statt langweilig zu werden ;)

Tausend Dank, Jörn, für die Beantwortung dieser Fragen. Wie auch immer deine Zukunft mit dem Amstrad CPC aussieht, wir alle danken dir für deine früheren Aktivitäten … für uns bist du weiterhin eine lebende Legende. :)

Im Namen von Longshot/Logon System (ergänzt am 19. September 2012)

NoRecess*: Longshot wurde in Frage 9 mit dem Satz Ein CPC mit SymbOS + Symbiface 2**[…]*ist kein CPC mehr* zitiert. Leider lag da ein kleines Missverständnis vor, und Longshot* selbst wollte ein paar Worte ergänzen, um seine Gedanken zu präzisieren:

Ich finde, das Symbiface ist eine Schnittstelle, die die nativen Fähigkeiten des CPC erweitert, denn sie fügt eine IDE-Schnittstelle, eine Echtzeituhr … hinzu, und ich habe nicht das Gefühl, keinen CPC vor mir zu haben … sondern eher einen CPC, der mehr kann als ein gewöhnlicher. Ich finde es außergewöhnlich, dass Prodatron ein solches Betriebssystem auf dem CPC entwickelt hat, auch wenn ich persönlich keinen Nutzen darin sehe. (Aber Demos zu machen hat nach diesem Grundsatz auch nicht viel Nutzen.)

Ich denke, es hat ihm Freude gemacht, das zu tun (ein sehr gutes theoretisches Projekt), und leider scheint diese Energie nur wenigen Leuten zu dienen.

Die meiste CPC-Software wurde in Z80A geschrieben und griff unmittelbar auf die Hardware-IO-Ports zu.

Alle Karten, die nach der Ära der Mikrocomputer entworfen wurden, sind wenig verbreitet, und daher können nur wenige Leute davon profitieren. Die einzige, die wirklich „in großem Maßstab“ funktioniert hat, ist die, die eine native Hardware ersetzt (HxC Floppy Emulator) und die ursprünglichen Fähigkeiten nicht erweitert.

Denn Software, die für das Symbiface geschrieben wird, ist nur für jemanden zugänglich, der die Schnittstelle besitzt. Mit anderen Worten: für sehr wenige Leute. Außerdem wollen die Leute diese Art von Einschränkung nicht, wenn sie die Zahl der Anwender verringert. Ein Coder wird sich darauf einlassen, die zusätzlichen 64 KB des CPC zu benutzen, weil er sie für ziemlich verbreitet hält.

Trotzdem haben nur wenige kommerzielle Programme der 80er wirklich 128 KB benutzt … Es hat lange gedauert, bis 128 KB als selbstverständlich galten …

Bonusvideo zu Prodatron auf YouTube

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